Bist du wütend, zähl bis vier, hilft das nicht, dann explodier.
Wilhelm Busch

 

Bist Du ein wütender Mensch?

Seit ich denken kann, versuche ich meine Aggressionen zu unterdrücken, was mir leider nicht immer gut gelingt, denn Aggression ist die einzige Reaktion auf Wut die ich schon immer kann.
Wilhelm Busch beschreibt mich da ganz gut. Ich zähle eine ganze Weile bis vier und schiebe meine Wut dabei irgendwo hin. Da gärt sie dann still und leise vor sich hin und nährt sich immer weiter bis zu dem Moment der Explosion. Die Explosion, die meistens meine Liebsten trifft, kommt dann für mein Gegenüber in dieser Heftigkeit unerwartet und völlig unbegründet.

Die letzten 4 Tagen war ich auf der YogaConference in Köln und habe wunderbare Yoga Sessions erlebt in verschiedensten Formen: körperlich anstrengender oder sanfter, mit viel Technik und Ausrichtung, mit verbunden Augen, mit viel Hingabe, mit Mantren, FaszienTools, humorvoll oder ganz ruhig.
Schon am ersten Tag (mit viel Theorie) habe ich in den wenigen Körperübungen eine Wut verspürt. Ja, Yoga verbindet Dich mit Deinen Gefühlen. Ich habe schon einige Male bei Schülern oder den Nachbarn auf der Yogamatte erlebt, dass Tränen flossen. Tränen, die eine innere Traurigkeit gelöst haben, und manchmal habe ich mir gewünscht, mein Thema wäre ebenfalls die Traurigkeit und ich könnte diese mit einigen Tränen auflösen (auch wenn das natürlich nicht so einfach ist, wie es klingt).
Mein Thema ist die Wut, die sich allzu gern in Aggression gegen andere und mehr noch gegen mich selbst zeigt.

Am nächsten Tag konnte ich meine Wut sogar etwas verstehen. Der Workshop war diesmal in englisch, da stand ich schon mal verdreht auf der Matte und hab einfach nicht kapiert wo um Himmels Willen der Arm jetzt hin soll. Ich war hilflos, fühlte mich dumm und unfähig, ein perfekter Nährboden für meine Wut. Am nächsten Tag kam gleichzeitig mit der Wut in jeder weiteren Yogasession auch unbändige Leidenschaft und Begeisterung dazu. In einer großen Gruppe mit Hunderten von Menschen gemeinsam ein OM zu chanten öffnet mein Herz, ich liebe es Neues zu lernen und auszuprobieren und immer am Ende einer Session war das einfach nur WOW! Zwischendurch gab es diese Momente voller Wut. Leidenschaft, Begeisterung, Wut – starke Emotionen, die ich alle mit laut, schnell, kraftvoll verbinde.

Am Sonntag Morgen als ich mir kaum noch vorstellen konnte, dass es noch besser kommen könnte als die Tage zuvor, wählte ich die Stunde Agni Ignition mit Janet Stone. „Through this workshop we explore the transformative powers of FIRE“ stand in der Beschreibung. Zu Beginn des Tages das Feuer etwas anzufachen hielt ich für eine gute Idee. Auch Feuer verbinde ich mit laut, schnell und kraftvoll.

Und dann haben wir uns zuerst die Augen verbunden!

Janet hat eine wunderbare Stimme und sie macht klare Ansagen. Und wenn Du nur ein einziges Wort verpasst oder so schnell nicht für Dich übersetzen kannst, bist Du für diesen Moment in der Übung verloren. Jedenfalls ging es mir so. Ich war weder laut, noch schnell, noch irgendwie kraftvoll. Jetzt fühlte ich mich nicht nur hilflos und unfähig sondern auch noch völlig ausgeschlossen aus der Gruppe. In meinem Kopf war ich natürlich die Einzige im Raum, die nichts verstand. Ich wurde so wütend, dass ich kurz davor war die Session einfach abzubrechen und raus zu gehen. Ich wollte JETZT SOFORT eine Yoga Session, die … nein, ich wollte kein Yoga, sondern eher einen Sandsack!
Und allein das zu überlegen hat meine Aufmerksamkeit von den Ansagen entfernt und meine vermeintliche Unfähigkeit wurde noch schlimmer.  Ich halte für mich selbst oft die Augen geschlossen, aber dann weiß ich natürlich, welche Bewegungen ich machen möchte.
Und dann gab es irgendwie ein leises Plop und ich konnte einen Moment innehalten, auch in der Bewegung, und Wut, Hilflosigkeit und Einsamkeit annehmen. Ich habe dann entschieden, die Augen weiterhin zu schließen, aber mir die Möglichkeit zu geben, zwischendurch mal zu linsen und habe ich mein Tuch entfernt.
Die Herausforderung blieb mit den geschlossenen Augen, und auch dem Drang die Augen zu öffnen, konnte ich fast immer widerstehen.
Ardha Chandrasana (Der Halbmond) ist allerdings schon mit geöffneten Augen für mich eine große Herausforderung, beim Versuch mit geschlossenen Augen(was nicht auch nur ansatzweise funktionierte)  kam dann die Erlösung, weil ich einfach herzlich über mich selbst lachen konnte.

Gelöst und glücklich habe ich den restlichen Tag erlebt!

Thank you, Janet.

 

 

 

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