Gestern war ich auf einem Poweryoga Workshop bei Bryan Kest. Das hatte sich relativ kurzfristig und spontan ergeben und nachdem ich die Entscheidung getroffen hatte, war ich doch etwas aufgeregt, ob ich dem überhaupt gewachsen bin. In meiner Vorstellung war meine eigene Hatha Yoga Praxis sehr viel ruhiger als Poweryoga. Ruhe ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt im Yoga, neben  Aufrichtung, Freude und Liebe.

Der Workshop begann mit einem Vortrag und Bryan hat eine wunderbare humorvolle Art sein Yoga zu erklären. Mir gefällt, dass er bodenständig und sehr undogmatisch ist und ich habe ständig innerlich zustimmend genickt. Genau, Bryan, Yoga heißt, eigene Grenzen zu erkennen, es geht nicht um Eitelkeit oder Schönheit, Ehrgeiz und Wertung sind fehl am Platz, wir wollen uns selbst erkennen, liebevoll und sanft mit uns umgehen. Es gibt kein richtig und falsch in den Asanas und ganz wichtig, Niemand bestimmt darüber, was Du tun kannst, nur Du selbst entscheidest wie lange Du in einer Position bleibst oder wann Du Dir mit Anpassungen Erleichterung verschaffst. Und die innere Ruhe entsteht mit der Atmung.

Bryan selbst stellte dann die Frage, wie sich das alles mit super anstrengendem Yoga vereinbaren lässt. Die Antwort ist: wir müssen üben. Offensichtlich können wir nicht einfach von heute auf morgen nicht mehr eitel oder ehrgeizig sein. Oder hast Du Dir schon mal vorgenommen, ab sofort Dich selbst und andere nicht mehr zu bewerten und das klappt auch zu 100%? Wenn ja, hast Du meine absolute Hochachtung. Ich jedenfalls bin da noch sehr in der Übungsphase und genau das konnte ich (wie vorausgesagt) später im körperlichen Teil des Workshops auch wieder gut an meinen Gedanken beobachten.

 Wie jetzt, noch mal hoch? Meine Arme zittern ja jetzt schon, geht gar nicht, hallo, ich bin aber hier für ein bisschen Power, da werd‘ ich ja jetzt nicht schlapp machen, oder? Pah, wär doch gelacht, was hat der gesagt? Atmen? Oh, ja stimmt, könnte ich auch mal wieder, ist mir nicht aufgefallen, einatmen, ausatmen, mist ich komm nicht hoch, schwache Leistung Baby, ich muss unbedingt mehr trainieren, boah wie peinlich, wieso können die anderen das eigentlich alle? Ich soll entspannt gucken? Hat der noch alle Tassen im Schrank und jetzt lacht der sich auch noch kaputt, weil keiner die Knie ablegt um es sich leichter zu machen, Gott sei Dank, ich bin nicht die einzige, die es nicht geschafft hat…..

Wenn ich allein Yoga übe, bin ich schon ziemlich gut darin, sanft zu mir zu sein (Nein, dass heißt nicht kraftlos), für mich ist die Herausforderung immer dann wenn ich in einer Gruppe bin. Ganz egal ob das mein wöchentlicher Hatha Yoga Kurs bei Gabriela Gabriel ist, oder eben ein spezieller Workshop. Eben noch völlig kraftvoll und gleichzeitig entspannt im herabschauenden Hund und ZACK erwische ich mich in einer Gedankenspirale aus Beurteilung, Vergleich und Ehrgeiz.
Immerhin, ich bin schon ein guter Selbstbeobachter geworden. Irgendwann fällt es mir auf und dadurch habe ich die Möglichkeit zur Ruhe zurückzukommen.
Anerkennen was ist, atmen, ausprobieren was geht, fertig!

Und das gilt nicht nur für die Zeit auf der Yogamatte sondern für den gesamten Alltag.

Und wie ist das bei Dir wenn Du an Deine Grenzen kommst?
Wenn die Muskeln anfangen zu zittern, kannst Du noch lächeln, oder wird Dein Gesichtsausdruck schon grimmig, atmest Du tief und ruhig und bleibst Du bei Dir oder schaust Du im herum, wie es den anderen geht?
Traust Du Dich, Dich selbst zu beobachten?

 

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